Dienstag, Dezember 05, 2006

Die letzten Stunden

Der große Koffer ist gepackt und der kleine im Prinzip auch, das Zimmer geputzt (ein Vorgang, der nach einer entspannten Stunde zur allgemeinen Zufriedenheit erledigt war - so eine Mönchszelle hat doch auch ihr Gutes *g*) - jetzt muß es nur noch halb fünf werden, und dann mache ich mich auf den Weg zum Bahnhof.

Heute habe ich alles ganz langsam und gemütlich angehen lassen. Morgens ausgeschlafen, um für die kurze Nacht und den langen Flug fit zu sein, in Ruhe gefrühstückt, mit den Mitbewohnerinnen gequatscht, die Japanischbücher zur Post getragen, am Bahnhof das Ticket für den Flughafenexpress gekauft, wieder nach Haue gegangen, die letzten paar Sachen in die große Tasche gepackt, und dann das Zimmer geputzt. Soll heißen: den Futon zum Lüften rausgetragen, die Lampe abgestaubt (*hust hust*), die Plasikkommode innen und außen feucht abgewischt, den Kleiderständer ebenfalls abgewischt, die Tatamimatten gesaugt, den großen Wandschrank gesaugt, Futon wieder reingeholt, fertig.

Gegen fünf bin ich mit der großen Tasche (gefühltes Gewicht: eine Tonne - die 20 kg erlaubtes Gewicht dürfte ich locker überschritten haben) zum Bahnhof marschiert, um sie dort über Nacht im Schließfach zu deponieren. Das hatte ich mir schon vor einiger Zeit überlegt. Ich habe eine große und eine kleine Reisetasche, dazu kommen noch Handtasche, große Handtasche und Notebooktasche. Sowohl die kleine als auch die große Reisetasche haben Rollen. Sehr praktisch, aber nicht, wenn man beide zusammen bewegen muß. Außerdem muß ich durch den U-Bahn-Eingang zum Bahnhof, und da gibt es keinen Fahrstuhl. Also müßte ich die eine Tasche oben an der Straße stehen lassen, während ich die andere nach unten schleppe. Das ist mir selbst morgens um halb sechs in Japan entschieden zu riskant, also kam ich auf die Idee mit dem Schließfach.

War gar nicht so einfach, ein freies Schließfach in der gewünschten Größe zu finden. An der ersten Schließfachwand war nur noch ein passendes frei - oben. Da hätte ich die Tasche nie im Leben hineinwuchten können. Und dann hätte ich sie am Morgen auch wieder heile herausbekommen müssen. Glücklicherweise waren um die Ecke noch etwas frei. Ich mußte mir nur noch im Laden 100-Yen-Stücke einwechseln lassen, weil der blöde Automat keine anderen Münzen annimmt.

Nach ca. einer halben Stunde wieder zuhause angekommen, erzählte mir Tara (die neue Mitbewohnerin), daß zwei Typen an der Haustür geklingelt hätten. Die Gebühreneintreiber von NHK, dem staatlichen Fernsehen. GEZ-Typen, sozusagen. Tara hatte ihnen irgendwie verständlich machen können, daß sie kein Japanisch spricht und sie bitte etwas später wiederkommen sollten, weil ich etwas Japanisch spreche. Sie wollten dann dreißig Minuten später noch einmal klingeln. Super. Wo ich mir gerade im Bahnhof überlegt hatte, eine aktuelle müde Phase auszunutzen und mich für ein paar Stunden aufs Ohr zu hauen. Weil ich immer noch im Nova-Rhythmus bin (vor zwei Uhr nachts kann ich sowieso noch nicht einschlafen), hatte ich beschlossen, mich die Nacht über mit meinen DVDs wachzuhalten. Zum Schlafen habe ich im Flieger noch jede Menge Zeit.

Wir warteten also auf die Gebühreneintreiber. Denen hätte ich dann gesagt, daß das hier eine Nova-Wohung ist und sie sich deshalb bitte an Nova wenden möchten. Wie gesagt, hätte. Denn wer auch nach einer Stunde immer noch nicht geklingelt hatte, waren die NHK-Fritzen. Daraufhin habe ich im Korridor und im Wohnzimmer das Licht ausgemacht, bin ich ins Bett gegangen, und Tara hat sich in ihr Zimmer zurückgezogen. Um halb neun klingelten die Typen dann endlich an der Tür, aber wir waren nicht da. Jetzt muß ich Tara noch den schönen Satz "Dies ist eine Nova-Wohnung, also wenden Sie sich bitte an Nova" auf Japanisch aufschreiben.

Dummerweise war während der elenden Warterei auch meine müde Phase vorbeigegangen, und so habe ich drei Stunden lang wach gelegen. Aber immerhin mit geschlossenen Augen. Danach war ich doch etwas ausgeruht, habe geduscht, die Reisekleidung angezogen, Kaffee gekocht, ein belegtes Brot gemacht, den Futon abgezogen und es mir dann bei belegten Broten und Kaffee mit dem ersten Film gemütlich gemacht.

Um fünf packe ich dann so leise wie möglich den Rest zusammen, und gegen halb sechs verlasse ich das Haus. Den Schlüssel habe ich in einem gefütterten Umschlag schon am Abend auf dem Weg zum Bahnhof in den Briefkasten geworfen. Um 6:17 fährt der Flughafenexpress in Shin Osaka ab und ist um kurz nach sieben am Flughafen. Mein Flug geht um 9:40, daher muß ich um 7:40 da sein. Leider ist es kein Nonstopflug. Ich fliege mit Korean Air und muß mittags in Seoul umsteigen. Aber von da ist es immer noch ein langer Flug nach Frankfurt, und da wird geschlafen. Wenn ich dann immer noch müde bin, kann ich im Auto weiterpennen, denn meine Eltern fahren extra nach Frankfurt, um mich abzuholen. :-))

Kommentare:

Mirco hat gesagt…

Dann wünsch ich Dir eine gute Heimreise und vielen Dank für deinen Blog. Hat viel Spaß gemacht ihn zu lesen.

Luthien hat gesagt…

Dem schließe ich mich mal einfach an :) Ich werde sicherlich noch auf Deine Reiseberichte zurückgreifen, wenn ich anfange meine Japan-Rundreise zu planen *g*

Ute hat gesagt…

Vielen Dank! :-))

@ Mirco: Ein paar Einträge werden hier sicherlich noch folgen, und dann fange ich einen neuen mit einem neutraleren Titel an (den ich mir allerdings noch ausdenken muß). Ich fürchte allerdings, daß mein Leben ab jetzt viel langweiliger werden wird. :-(

@ Luthien: Wenn nach der Lektüre noch Fragen sein sollten - kein Problem!

Luthien hat gesagt…

Da komme ich bestimmt nochmal drauf zurück! Wenn ich schon die schlechte Reisezeit 'Juli' nehmen muss, dann wenigstens vorbereitet ;)